Texte

Über mein Arbeiten

Maschinen-Zauber

Von der Poesie des Unsinns

Ich bin Gebildebaumeister, kein Künstler.

Martin, seit den 90er Jahren arbeitest du fast ausschließlich mit kinetischen Objekten. Gebrauchte Haushalts-gegenstände, die, wie du sagst, zu einem zweiten Leben erweckt werden und ratternd und klappernd mit dem Betrachter in Kommunikation treten. Deine künstlerische Arbeit beginnt in den 70er Jahren an einem ganz anderen Punkt – beim Theater. Was hat Dich zu deiner heutigen Arbeit mit bewegten Objekten geführt?

 

Ich hatte mich zur Kommunezeit – ich war von 1977 bis 1990 in der von Otto Mühl gegründeten AA-Kommune – schnell für’s Theater entschieden. Durch die „Selbstdarstellung“ (eine Art im Kreis der Kommune allabendlich praktizierte spontane Darstellung innerer Gefühle) war klar: das Theater als Medium liegt nahe. Die Mittel, die man dort im spontanen Ausdruck benutzt und lernt, sind dem Theater verwandt. Das habe ich 6 Jahre lang in Form des Mitspieltheaters in Hamburg, wo ich zu dieser Zeit gewohnt habe, gemacht. Unser Schwerpunkt lag auf Kinder-theater und die Stücke dafür haben wir selbst geschrieben. Das waren einfache Zirkusstücke, bei denen die Kinder als Akteure immer wieder kurz eingebunden waren. Später dann haben wir verstärkt mit einer Regisseurin gearbeitet, die auf Bühnenbild und feste Texte größeren Wert gelegt hat, also durchstrukturierte Handlungsstränge, die kleine Fenster von Interaktion ermöglichten. Das hat mir noch besser gefallen. Wenn man mit zu wenig Struktur an einem Theaterstück arbeitet, kann die ganze Sache schnell verflachen. 1983 haben wir diese Theaterprojekte aufgegeben. Damit war einfach nicht genug Geld zu verdienen. Und in der Kommune herrschte Geldknappheit, die ersten Kinder waren geboren. Otto Mühl übte Druck aus, das Theater aufzugeben, dem die meisten dann sukzessive nachgaben. Die, die weitermachen wollten, sind ausgezogen. Ich hatte das auch kurz überlegt, bin aber doch geblieben. …


Von der Poesie des Unsinns. – Ein Gespräch mit Elke Richly (Das komplette Interview als PDF )

HOME | KONTAKT | IMPRESSUM