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Die Kunst von Martin Stiefel. Eine kleine Betrachtung der Schwester.

Waschen, schleudern, trocknen? Bei Martin Stiefel können Waschmaschinen viel mehr. Tanzen, malen und hüpfen etwa. Schneisen durch Gläserwälder klirren. Sich auf Wanderschaft machen. Barrieren durchbrechen. Schwimmen gehen. Schwimmen gehen? Nun ja, es war ein Versuch. Manche Grenzen lassen sich eben nicht überschreiten.


Andere schon. Dazu braucht man nur Fantasie. Und die Lust am Absurden. Die Freude an der Überraschung. Das alles hat der Münchner Maschinenstürmer im Überfluss. Und er nimmt die Zuschauer augenzwinkernd mit auf die Reise aus dem Alltag. Stiefels verfremdete Objekte erweitern den Blick der Zuschauer. Seine bewegten Objekte überschreiten de Funktionalität der Maschinen, die sie in ihrem früheren Leben waren. Dadurch verlieren sie ihren Objektcharakter. Werden individuell. Werden zu Kunstwerken mit Eigenleben, die die Zuschauer und oft auch den Künstler überraschen. Stiefel gibt den Maschinen eine neue Bestimmung. Eine zweite Chance. Und nimmt die Zuschauer mit in eine Welt, in der nichts mehr ist wie es scheint. Eine Waschmaschine ist keine Waschmaschine ist eine Waschmaschine.


Mixer, Toaster, Bohrmaschinen, Staubsauger: was wir aus dem Alltag als Gebrauchsgegenstände kennen, macht Stiefel zu Kunst. Mixer drehen sich surrend in Bäumen, Toaster rösten Bilder, die manchmal auch in Flammen aufgehen und in der Nase kitzeln. Es rattert, knirscht und schmatzt. Stiefels Objektkunst spricht alle Sinne an.


Manches verstört, manches erheitert. Gleichgültig bleibt niemand bei diesem Spiel. Denn manchmal zerstören sich die Maschinen in einer Art Tinguelyscher Raserei selbst.


Susanne Stiefel

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